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April 22 2012

Author Rank, SEO und die Bedeutung von Google+

Seit Google+ Mitte letzten Jahres gestartet wurde wird dessen Bedeutung und der Wert kontrovers diskutiert. Bereits in meinem ersten Review des Dienstes habe ich mich positiv über das Konzept und die Umsetzung dieses Social Networks geäußert.

Knapp ein dreiviertel Jahr später kann Googles Plattform, die von Anfang an ein rasantes Wachstum hingelegt hat, auf 100 Millionen Mitglieder verweisen. Während noch immer viele Blogger und Journalisten schreiben, dass Google+ im Schatten von Facebook quasi bedeutungslos sei, halte ich die Plattform mehr denn je für bahnbrechend. Einige Gründe möchte ich im Folgenden darlegen.

Google+ als Treffpunkt der Nerds und Geeks

Lange Zeit haben sich die Vordenker des Web 2.0 über Twitter ausgetauscht. Während man sein soziales Netzwerk, auch mit Offline-Bekannten, über Facebook gepflegt hat, sind die wichtigen Nachrichten in Windeseile über Twitter verbreitet worden. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Zwitscher-Elite hat diesem Kanal jedoch mittlerweile den Rücken gekehrt und tauscht sich vornehmlich über Google+ aus. Auch die Netzwerke, die FriendFeed vor dessen Übernahme durch Facebook gerockt haben, finden auf Google+ ein neues Zuhause.

Für Außenstehende mögen die Gespräche und Rituale dieser Community mitunter befremdlich erscheinen, aber für einen sich ständig weiterentwickelnden Dienst wie Google+ sind diese Digital Natives Gold wert. Nicht nur, dass sie die Plattform fortwährend mit Content beliefern, sie testen auch jedes neue Feature auf Herz und Nieren und finden mitunter Use-Cases, welche die Entwickler nie haben kommen sehen.

Einfluss auf die Google Suchergebnisse

Vor einigen Wochen war es noch eine Seltenheit, aber inzwischen sehen eingeloggte Google User immer öfter deartige Einträge in den Suchergebnissen:

Google passt für eingeloggte User das Ranking der Suchergebnisse so an, dass Treffer, die von den eigenen Kontakten positiv bewertet wurden, nach vorne sortiert werden. Wichtiger als der Rankinggewinn ist aber der visuelle Eindruck der so hervorgehobenen Suchtreffer. Ein Ergebnis mit Konterfei, womöglich noch dem eines Bekannten oder Freundes, wird eine erheblich höhere Klickrate aufweisen, als ein Listing ohne Bild.

Der Author-Rank und die Zukunft redaktioneller Inhalte

Als wahnsinnig spannenden Aspekt der wachsenden Google+ Community sehe ich die Tatsache, dass Google hier lernt, wer lesenswerte Inhalte ins Netz stellt. Für Blogger und Journalisten ist der sogenannte Author-Rank die wahrscheinlich wesentlichste Google-Innovation der letzten Jahre.

Verknüpft man die Artikel des eigenen Blogs mit seinem Google+ Profil, so werden diese in der Google Suche bald folgendermaßen präsentiert:

Hier ist die Kennzeichnung in den Suchergebnissen noch auffälliger, als bei Inhalten, die durch +1 empfohlen wurden. Zudem werden derartige Snippets auch Suchenden präsentiert, die nicht bei Google eingeloggt sind. Blogger haben durch die Verknüpfung ihres Blogs mit ihrem Google-Profil also die Möglichkeit, massiven Einfluss auf die Präsentation in den Suchergebnissen zu nehmen. Wie eine solche Verknüpfung vorgenommen werden kann, hat Philipp Köstner in einem Artikel bei Goldbach Interactive gut beschrieben.

Das bahnbrechende an dieser Verknüpfung: Google hat nun erstmals die Möglichkeit, beim Ranking zu berücksichtigen, WER einen Artikel verfasst hat und nicht, WO dieser erschienen ist. Langfristig wird das zu größeren Verschiebungen in den Google Ergebnissen führen. Gute Autoren werden die Suche mit ihren Veröffentlichungen mehr und mehr dominieren. Weg von der Plattform, hin zum Menschen – eine Entwicklung, die ich für begrüßenswert halte.

Author Rank für SEOs

SEOs waren bereits in der Vergangenheit gut damit beraten, hochwertige Inhalte ins Netz zu stellen. Mit der Einführung des Author-Ranks hat diese Maxime nochmal zusätzlichen Rückenwind bekommen. Im Blog von SearchMetrics wurde kürzlich eine Liste mit 200 Autoren veröffentlicht, deren Konterfei am häufigsten in den Google-Ergebnissen zu deutschsprachigen Suchbegriffen zu finden ist.

In dieser Liste finden sich einige Namen, die auch in der deutschen SEO-Szene wohlbekannt sind: Heiner Hemken, Martin Mißfeld, Benjamin Wingerter oder Malte Landwehr. Das sind genau jene SEOs, die bereits in der Vergangenheit mit gut recherchierten oder manchmal auch kontroversen Artikeln ihre Leser begeistern konnten. Ich bin mir sicher, dass solche Autoren mit der wachsenden Bedeutung des Author-Rank noch mehr Zulauf bekommen werden.

Uwe Tippmann, der übrigens auch auf der Searchmetrics-Liste zu finden ist, gab sich zur Einführung des Authorship-Attributes eher skeptisch:

Ich bin allerdings jetzt schon gespannt wie lange es dauern wird, bis die Anzahl blondhaariger, nettaussehender Autorinnen die Ergebnislisten dominieren werden…

Keine Frage, auch Fake-Profile werden mitunter in den Suchergebnissen auftauchen. Ich halte Google aber für schlau genug, solche Profile relativ leicht zu identifizieren und entsprechend zu entwerten. Wer in Zukunft noch gefunden werden will, der sollte spätestens jetzt damit anfangen, wirklich gute Inhalte zu produzieren – ohne Maske und unter eigener Flagge.

Tags: Social Media

April 11 2012

Redesign bei Google+

Ich war schon immer ein Freund des Google+ Designs, das trotz zappelnder GIFs im Vergleich zu Facebook angenehm aufgeräumt daher kam. Als dann heute auf dem offiziellen Google Blog überraschend die Ankündigung eines größeren Facelifts veröffentlicht wurde, war ich zunächst eher skeptisch. Doch eine gewisse Neugier auf den neuen Look war auch vorhanden.

Umso mehr freute ich mich, dass auch mein Account schon kurz nach meiner Klage, bei mir sähe noch alles aus wie immer, auf das neue Design migriert wurde. Mit einem einzigen Reload war alles plötzlich ganz anders.

Der Home Screen

Am neuen Home Screen fällt neben der graphisch aufgehübschten Navigation vor allem der schmalere Contentbereich auf. Diesem stehe ich noch ein wenig skeptisch gegenüber, mir gefiel die Weitläufigkeit der alten Variante. Geschuldet ist der Platzverlust hier einem Chat-Element in der rechten Spalte, welches bei mir aber noch nicht aktiv zu sein scheint.

Eine interessante Neuerung ist auf jeden Fall, dass sich die Navigation individuell anpassen lässt. So lassen sich die Menüelemente mit der Maus neu sortieren. Selten benötigte Funktionalitäten kann man auch innerhalb des More-Elementes verschwinden lassen, jedoch scheinbar nicht die Games, die ich gerne dorthin verbannt hätte.

Das Profil

Mit dem Redesign kamen auch neue Profilseiten für die Benutzer, die ich als gelungen empfinde.

Das Profilbild ist nach rechts gewandert und wird etwas größer dargestellt als bisher. Von Facebook hat man die Idee eines Cover Fotos übernommen, mit denen Benutzer ihr Passbild hinterlegen können.

Die Explore Page

Die neue Explore Page soll es vereinfachen, interessante Inhalte auf der Plattform aufzufinden. Neben aktuell viralen Beiträgen werden hier auch Trending Topics aufgeführt.

Für Content-Junkies wie mich eine tolle Funktionalität, aber sicher auch gut geeignet, um neue Google+ Nutzer abzuholen und mit den Inhalten dieses Netzwerkes vertraut zu machen.

Ein abschließendes Fazit zum neuen Design mag ich noch nicht abgeben, dazu will ich erst noch ein wenig auf der neuen Plattform arbeiten. In jedem Fall zeigt der Umfang und die Konsequenz des Facelifts erneut, wie sehr Google an der Weiterentwicklung seines Social Networks gelegen ist.

April 10 2012

Facebook kauft Instagram

Instagram habe ich bisher als einfaches Tool gesehen, um Handybilder über Twitter zu publizieren, und ansonsten weitgehend ignoriert. Dem Buzz nach zu Urteilen, den die Übername durch Facebook allerdings hervorruft, wird es Zeit, sich näher mit Instagram zu beschäftigen: Selbst die Tagesschau hält es für angebracht, über den Milliardendeal zu berichten.

Seit der Übername von Flickr durch Yahoo im Jahr 2005 hat es im Bereich des Bilderhostings aus meiner Sicht wenig spannende Veränderungen gegeben. Wesentliche Neuerungen gab es bei Flickr durch die Unbeweglichkeit Yahoos schon lange nicht mehr, und Facebook entwickelte sich unauffällig zum größten Bilderhoster des Webs.

Auch Googles Picasa blieb unauffällig, die Portale 500px und ipernity konnten sich ihre eigenen Nischen im Schatten der Giganten aufbauen.

Die Innovation ist auf dem Handy

Echte Innovation im Bereich Image-Sharing fand in den letzten Jahren eher im mobilen Bereich als im Web statt: Twitpic, Hipstamatic und Instagram gelang es, diesen Markt zu vereinnahmen. Erst Pinterest hat der Webszene nun wieder in Erinnerung gerufen, wie mächtig Bildercontent noch immer ist. Möglicherweise war es gerade dieser Hype, der das Zuckerberg-Network dazu bewegt hat, die stolze Summe für das kleine Startup hinzulegen, das seit kurzem auch die Android Welt rockt.

Wie es um die Zukunft von Instagram als eigenständigem Netzwerk bestellt ist, wird sich zeigen. Facebook möchte wohl vor allem die Filterfunktionen in die eigene Plattform integrieren. Die offizielle Aussage ist, man wolle Instagram parallel weiterbetreiben. Doch schon bei FriendFeed hat man gesehen, wie tödlich es für eine florierende Plattform sein kann, wenn die eigentlichen Entwicklungsressourcen für andere Projekte des neuen Besitzers abgezogen werden.

Klar ist für mich: Bilder sind das Thema der Saison. Ich bin jedenfalls gespannt, was konkret Facebook mit Instagram vorhat, das ihnen eine Milliarde Dollar wert ist. Das Thema Pinterest ist sicherlich ebenfalls noch nicht ausgeschöpft und auch Google ist immer für eine Überraschung gut.

October 02 2011

Thilo Weichert, der Like-Button und die Konsequenzen

Like verbotenSeit einigen Wochen beobachte ich besorgt aber auch fasziniert den Feldzug, den Schleswig-Holsteins Oberdatenschützer Thilo Weichert gegen Facebook und die Einbindung des Like-Buttons auf deutschen Websites führt.

Die Berichterstattung in den Medien ist umfassend, ein wesentlicher Aspekt der Debatte fällt aber oft unter den Tisch oder wird nur als Randnotiz erwähnt: Es geht hier um viel mehr als den Like-Button. Folgt man der Argumentation des Datenschützers, so verletzen sämtliche Seitenelemente, bei denen die IP-Adresse des Besuchers an Dienstleister in den USA übermittelt werden, die deutschen Datenschutzvorschriften. Sollte Thilo Weichert Recht behalten, so müssen wohl auch folgende Elemente bald von deutschen Websites verschwinden:

  • Googles +1 Button
  • Google Adsense
  • Doubleclick Banner
  • Die meisten Twitter Widgets
  • Slideshare Präsentationen
  • YouTube Videos
  • Disqus Kommentarbereiche

Das dies tatsächlich im Sinne der Internetnutzer sein soll, kann ich mir schwer vorstellen. Zumal diese Nutzer, sobald sie deutschen oder europäischen Boden verlassen, den »Datenkraken« wieder hilflos ausgeliefert sind. Einmal mehr würde sich Deutschland vom Rest der Welt abschotten, ohne dass irgendwem dadurch geholfen ist.

Erfreulich finde ich, dass Weichert Gegenwind von Institutionen bekommt, die in der Vergangenheit nicht gerade durch Engagement für ein offenes, weltweites Internet aufgefallen sind: Politiker aus CDU und FDP stellen sich offen gegen Weichert, und selbst Bundesinnenminister Friedrich scheint der harte Kurs gegen Facebook nicht zu gefallen. Auch die Ankündigung der IHK Schleswig Holstein, Facebook weiter zu nutzen und gegebenenfalls einen Musterprozess zu führen, stimmt hoffnungsvoll.

Trotz dieser Lichtblicke bin ich unsicher, ob Weichert juristisch nicht im Recht bleiben könnte. Schon oft habe ich in diesem Blog die absurde Gesetzgebung in Deutschland und Europa bezüglich Internetbelangen kritisiert. Nun könnte es also passieren, dass ein übereifriger Datenschutzbeauftragter auf der Grundlage unhaltbarer Gesetze das deutsche Internet um Jahre zurückwirft. Die Politik wird sich im Nachhinein der Frage stellen müssen, wie es überhaupt dazu kommen konnte. Vielleicht wird es doch langsam Zeit, kompetenten Beratern mehr Gehör zu schenken?

Tags: Social Media

July 22 2011

July 06 2011

Google+: Meine Einschätzung

Ich habe eine Weile überlegt, ob ich überhaupt noch einen Artikel zu Google+ verfassen soll. Als Google letzte Woche mit diesem Netzwerk an die Öffentlichkeit ging, war ich gerade im Urlaub und konnte zwar eine Einladung ergattern, hatte als Hardware nur ein iPad und ein Netbook zur Verfügung. Das taugte nicht für einen gründlichen Test und auch das Verfassen eines umfangreicheren Reviews wäre ein Qual gewesen.

Inzwischen habe ich das Google Netzwerk umfassend testen können, und die Blogosphäre quillt bereits über mit Erfahrungsberichten und Prognosen über die weitere Entwicklung dieser neuen Plattform. Dennoch halte ich Google+ für so bedeutend, dass ich mir einen eigenen Artikel hierzu nicht verkneifen kann. Die genervten mögen es mir verzeihen.

Dass Google einen Facebook Killer (TM) in Vorbereitung hat, war in der Gerüchteküche ja schon länger im Umlauf. Ich muss gestehen, dass ich einem erneuten Vorstoß Googles im Social Media Bereich sehr skeptisch gegenüber stand. Wie viele andere sah ich das Scheitern von Wave und Buzz als Indizien dafür, dass der Suchgigant auf diesem Gebiet einfach nicht mitziehen kann. Als ich dann letzte Woche meine ersten Erfahrungen mit Google+ machen durften war ich überrascht, dass selbst in der eingeschränkten mobilen Version auf dem iPad ein durchdachtes, bedienbares Produkt vorlag. Mehr noch: Es machte Spaß, mit diesem Netzwerk zu arbeiten.

Aus dem Urlaub zurück gekommen konnte ich Google+ dann auch auf dem Desktop an einem großen Monitor erfahren. Wenngleich die mobile Website sehr gut ist, so spielt Google erst hier die volle Power aus. Auf den ersten Blick erinnert die Oberfläche schon ziemlich an Facebook, kommt aber ruhiger und aufgeräumter daher:

Martin Mißfeldt formulierte es in seinem Erfahrungsbericht so hart wie zutreffend:

Das Zuckerberg-Portal sieht dagegen aus wie ein ausgeschütteter 1und1 Homepage-Baukasten.

Doch nicht nur das aufgeräumte Design ist es, mit dem sich Google von Anfang an positiv von der Konkurrenz abhebt: Mit Hilfe sogenannter Kreise kann man seine Kontakte gruppieren und bei jedem veröffentlichten Inhalt festlegen, für welche Kreise dieser sichtbar ist. Zwar bietet Facebook mit seinen Freundeslisten eine ähnliche Funktionalität, aber deren Nutzung fühlt sich einfach ungeschmeidig an. Zur Verwaltung der Kreise wurde ein sehr gutes User-Interface gebaut, bei dem man seine Kontakte einfach per Drag-And-Drop in die gewünschten Kreise ziehen kann:

Die optimale Organisation der eigenen Kreise ist eine fast schon philosophische Frage und entsprechend viele Tipps und Ansichten zur Kategorisierung seiner Kontakte kursieren derzeit auf der Plattform.

Ist Google+ nun der erwartete Facebook-Killer? Immerhin ist die Plattform in nur wenigen Tagen auf geschätzt eine halbe Million Nutzer angewachsen und funktioniert immer noch reibungslos. Die Qualität des geshareten Contents ist, zumindest in meinem Netzwerk, sehr hoch und erinnert mich an Friendfeed in seinen besten Tagen. Dies könnte allerdings auch dem Umstand geschuldet sein, dass die Userbase sich derzeit vorwiegend aus Nerds, Social Media Professionals und Internetsüchtigen zusammensetzt. Sollte die breite Masse wirklich eines Tages nachziehen, könnte sich dieser Aspekt normalisieren. Der ewige Poweruser Robert Scoble rechnet allerdings nicht mit einem solchen Exodus: Why yo momma won’t use Google+.

Das grundlegende Konzept, wie Beziehungen hergestellt und Inhalte veröffentlicht werden, ist prinzipiell eher mit Twitter zu vergleichen. Insofern sehen manche in Google+ auch eher eine Gefahr für Twitter, als für Facebook. Wie auch immer, die Plattform hat die Social Networking Landschaft massiv aufgewirbelt und meiner Meinung nach um neue Impulse bereichert. Die Tatsache, dass Facebook eine App zum Export der Freunde gesperrt hat lässt auf eine gewisse Nervosität in diesem Lager schließen. Und der ehemalige Quasi-Monopolist Zuckerberg steht jetzt genau so unter Zugzwang wie Twitter. Wenn Facebook nun bei Useability und Datenschutz nachbessert, profitiert auch der normale Nutzer. Allein dafür ist es gut, dass es Google+ gibt.

June 16 2011

Von Bitcoins, Eaves und anderen Netzwährungen

Durch einige Artikel beim Onlinemagazin t3n sowie Spiegel Online bin ich auf die virtuelle Währung Bitcoin aufmerksam geworden, welche für sich den Anspruch erhebt, eine echte Alternative zu »realen« Geldwährungen zu sein.

Tatsächlich gibt es im Internet eine Vielzahl virtueller Währungen, die den Status echter Zahlungsmittel eingenommen haben. Spontan muss man da an WoW Gold denken, für welches sich ein beträchtlicher Markt etabliert hat. Dieser ist so profitabel, dass eine unbekannte Anzahl chinesischer Lohnsklaven Tag für Tag in virtuellen Minen schuften und damit ihre Familien ernähren. Auch andere Spielwährungen unterliegen einem florierenden Handel und bevor Linden Labs dem Glücksspiel auf Second Life einen Riegel vorgeschoben hat, waren Linden Dollars hartes Gold für manchen Online Zocker.

Gegenüber diesen Ingame-Währungen haben Bitcoins eine interessante Besonderheit: Während das Spielgeld eines Onlinegames durch den Spieleproduzenten prinzipiell in beliebiger Menge zum Nulltarif produziert werden kann, ist die Menge verfügbarer Bitcoins begrenzt. Eine Bitcoin entsteht, indem der Rechner eines Bitcoin-Nutzers die Lösung eines schwierigen mathematisches Problems berechnet. Jedes Problem kann dabei nur einmal gelöst werden und erzeugt damit eine klar definierte Menge von Bitcoins. Damit wird die Menge verfügbarer Coins limitiert, was Inflation und Wertverfall der Währung entgegen wirken soll. Im Gegensatz zum Spielgold, aber auch zu konventionellen Währungen der heutigen Zeit, gibt es somit kein zentrales Regulierungsorgan, welches die Geldmenge der Währung steuert.

Nicht zuletzt wegen abenteuerlicher Kursschwankungen sind Bitcoins ein umstrittenes Zahlungsmittel, und erste Politiker wollen dem Handel mit der Hackerwährung bereits einen Riegel vorschieben. Dennoch sollte man sich in Zeiten, in denen immer mehr Menschen Zweifel an der Legitimität »realer« Währungen hegen, Gedanken zu alternativen Ansätzen machen. Das Bitcoins-System könnte hier eine Antwort parat haben.

Eine virtuelle Währung ganz anderer Art sind die Eaves von Empire Avenue, über das ich kürzlich berichtete und das mich zunehmend fasziniert. Eaves entstehen dort als Dividende und sind das Resultat vom Social Media Engagement der Spieler. Somit handelt es sich bei dieser Währung um ein Nebenprodukt realer Wertschöpfung – wenn man denn gewillt ist, die Erstellung von Inhalten im Social Web als Wertschöpfung aufzufassen. Bisher gibt es keine mir bekannte Möglichkeit, Eaves in hartes Geld zu tauschen, aber sie sind meiner Meinung nach der bisher gelungenste Versuch, soziales Kapital in Form einer Währung abzubilden.

Wie so vieles im Web ist im Bereich virtueller Zahlungsmittel noch viel Bewegung drin. Die finale Überwährung scheint es noch nicht zu geben, aber die Banken und Finanzämter dieser Welt sollten sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass Dollar, Euro und Co. in Zukunft Konkurrenz bekommen könnten durch Systeme, die ganz anderen Einflüssen und Regeln gehorchen. Sie wären nicht der erste Wirtschaftszweig, der von den bahnbrechenden Umwälzungen im Web schlichtweg überrollt wird.

June 14 2011

June 02 2011

Der Google +1 Button ist da

Ende März führte Google in den englischsprachigen Suchergebnissen ein neues Element ein: Den +1 Button, mit dem Google Nutzer Feedback zur Zufriedenheit mit einem Link in der Google Suche abgeben können. Dies war ganz klar eine Reaktion auf Facebooks inzwischen allgegenwertigen Likebutton, der durch seinen impliziten Empfehlungsmechanismus eine echte Gefahr für Googles Vorherrschaft im Web darstellt.

Ein häufiger Kritikpunkt an Googles Button war die Tatsache, dass der Nutzer bei einer Suche meist noch gar nicht weiss, ob ihm die jeweilige Zielseite gefällt. Kaum jemand wird nach einem Besuch dieser Seite zu den Suchergebnissen zurückkehren, um nachträglich ein +1 abzugeben. Folgerichtig kündigte Google auch schon bald an, dass ein +1 Widget zum Einbau in die eigene Site in Kürze folgen würde. Nun ist es soweit: Ab sofort lässt sich die +1 Funktionalität in jede Website integrieren.

Praktischwerweise stellt Google für Webmaster einen hilfreichen Codegenerator bereit, mit dem sich Javascript-Code für +1 Buttons in gängigen Abmessungen erzeugen lässt. Die Standard Variante (24 Pixel) erinnert dabei an den gängigen Formfaktor des Facebook Like-Buttons, die Tall-Variante ähnelt verbreiteten Twitter Share-Buttons, wie ich sie auch hier im Blog einsetze.

Ich habe mich hier erstmal für eine Integration des +1 Buttons in die Buttonleiste links der Artikel entschieden und bin sehr gepannt, welche Akzeptanz das neue Element mit sich bringt.

Das virale Potenzial eines Facebook- oder Twitter-Buttons wird das Google Widget mangels sozialer Vernetzung vorerst nicht mit sich bringen. Sollten die Plus-One Bewertungen aber eines Tages als Rankingfaktor gewertet werden, ist davon auszugehen, dass Googles Button im Web ebenso omnipräsent wird, wie derzeit der Facebook Like-Button.

May 08 2011

Empire Avenue – Die Social Media Börse

Das Börsenspiel Empire Avenue gibt es nun schon eine ganze Weile. Als ich im Juni 2010 erstmals davon hörte, faszinierte mich die Idee eines Börsenspiels, bei dem die Mitspieler selbst als Aktiengesellschaften agieren, deren Marktwert unmittelbar mit ihrer Social Media Präsenz gekoppelt ist. Das Spiel war Anfangs jedoch wenig erfolreich und wurde hierzulande kaum wahrgenommen. Inzwischen scheint das Interesse an Empire Avenue jedoch wieder stark an Fahrt aufgenommen zu haben, weshalb es mal an der Zeit ist, hier einen Blogpost dazu zu verfassen.

Das vorrangige Spielziel bei Empire Avenue ist, wie bei den meisten Börsenspielen, die Maximierung des eigenen Kapitals, der Net Wealth. Dieses wird in einer fiktiven Währung namens Eaves gemessen. Ferner hat jeder Spieler einen eigenen Börsenkurs, den man selbstverständlich auch in die Höhe treiben möchte.

Das Kapital lässt sich am besten durch sinnvolle Investitionen in andere Spieler steigern. Insbesondere ein Investment in gerade frisch eingestiegene Spieler kann sich hier rentieren. Handelt es sich dabei um aktive und gut vernetzte Social Media Nutzer, kann der Kurs sich innerhalb eines Tages leicht mal verdoppeln.

Um die Motivation der Spieler weiter zu fördern, gibt es neben Kapital und Börsenwert auch noch Abzeichen, die für gewisse Erfolge (Achievements) verliehen werden. Dass ein derartiges Belohnungssystem wirkt hat Foursquare eindrucksvoll bewiesen.

Reizvoll an Empire Avenue ist, dass man Anhand des Börsenwertes tatsächlich Rückschlüsse auf die Vernetzung und Aktivität eines Spielers ziehen kann. Insofern wäre es denkbar, dass der Eaves-Wert eines Tages ähnlich wie heutzutage der Klout-Score als Metrik für die Social Media Relevanz einer Person angesehen wird. Leider haben sich die Betreiber der Plattform dafür entschieden, die virtuelle Währung zum Kauf für reale Dollars anzubieten. Wenngleich sich diese Art der Monetarisierung für viele Online-Games bewährt hat, führt sie im Fall von Empire Avenue zu einer Verzerrung der Kennzahlen zahlender Spieler.

Ein gewisses Suchtpotenzial muss man Empire Avenue auf jeden Fall zugestehen. Möglicherweise eignet sich das Spiel auch in gewissem Maße als Promotionwerkzeug, um die eigenen Accounts und Feeds bekannt zu machen. So erscheinen die Tweets und Blogpost eines Spielers, an dem ich Anteile erworben habe, auch in meinem Empire Avenue Dashboard. Erfolgreiche Spieler haben somit einen weiteren Kanal, ihre Tweets, Blogposts oder Facebook Neuigkeiten zu verbreiten.

Abschließend wie gewohnt noch der Link zu meinem eigenen Empire Avenue Profil. Falls Ihr dort bereits mitspielt oder Euch aufgrund dieses Artikels anmeldet, würde ich mich über ein Investment freuen.

Tags: Social Media

May 03 2011

April 29 2011

Rückblick: WP-Blogger-Treffen Rhein-Ruhr

Das Ruhrgebiet hat, das ist wenig verwunderlich, eine durchaus lebendige Online-Szene. Folglich gibt es Barcamps, Twittwochs, Online-Marketing und SEO-Stammtische und viele weitere Gelegenheiten, virtuelle Kontakte ins Real-Life zu verlagern.

Was es bisher meines Wissens nicht gab, das war ein Blogger-Treffen. Das hat sich nun geändert, denn Gerhard Schröder hat gestern zum ersten WP-Blogger-Treffen im Unperfekthaus eingeladen. Damit hat er eine Idee von Nicole Y. Männl aufgegriffen, deren Blogger Treffen in Hannover sich offenbar bestens bewährt hat.

Die Gelegenheit, sich einmal abseits von Großveranstaltungen mit anderen Bloggern aus der Region auszutauschen wollte ich mir nicht nehmen lassen, und so habe auch ich mich für die Auftaktveranstaltung angemeldet. Was folgte war ein gemütlicher Abend im Sofaraum des Essener Unperfekthauses. Maik Wagner hielt eine sehr interessante Präsentation über barrierefreie WordPress Themes. Mit der Gestaltung von Themes kenne ich mich relativ gut aus, aber der Blickwinkel, den Maik vermitteln konnte, war durchaus erhellend. So hat barrierefreies Design viel mit einer durchdachten HTML Struktur zu tun, die ja auch aus SEO-Gesichtspunkten ratsam ist. Beruhigend war es auch, festzustellen, dass ich nicht der einzige bin, der durch die Bildattribute in der deutschsprachigen WordPress-Lokalisation verwirrt wird.

Im Anschluss hielt der Ausrichter Gerhard noch einen Vortrag über responsive Layouts, die sich dynamisch an unterschiedlichste Auflösungen anpassen. Nachdem immer mehr Blogleser die Inhalte auf mobilen Geräten betrachten, die je nach Ausrichtung des Gerätes auch unterschiedliche Seitenverhältnisse darstellen, sollte man sich wohl tatsächlich Gedanken über solche Darstellungen machen. Dieses Blog sieht zwar auch auf dem iPhone passabel aus, aber einige von Gerhard vorgestellte Designs zeigten, dass es noch besser geht.

Beim anschließenden Absacker im Erdgeschoss des UPH waren sich die Teilnehmer wohl einig, dass dies nicht das letzte Treffen seiner Art gewesen sein sollte. Mit dem 26.05. steht bereits der Folgetermin, und wenn ich es zeitlich einrichten kann, bin ich auch wieder dabei. Vielleicht bereite ich bis dahin auch einen Vortrag vor. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Einblick in die Grundzüge der Pluginentwicklung auch für Nichtcoder interessant sein könnte. Wäre das was?

April 19 2011

April 14 2011

April 11 2011

April 08 2011

Open Compute Project: Facebook legt Serverdesign offen

Techcrunch berichtet über eine interessante neue Initiative von Facebook: Auf Opencompute.org legt der Social Network Gigant die Spezifikationen seiner Server offen.

Die veröffentlichten Daten dürften für jede Firma, die ein eigenes Rechenzentrum betreibt, von großem Interesse sein. So gibt Facebook an, seine Server hätten eine um 38 Prozent bessere Energieeffizienz gegenüber Standard Servern.

Die Motivation dahinter? Scheinbar erhofft sich Facebook, dass ein offener Technologieaustausch langfristig allen Beteiligten zu zuverlässigerer und effizienterer Hardware führt. Ein Ansatz, der die Hardwarelandschaft möglicherweise ähnlich umkrempeln könnte, wie die Open Source Bewegung es bei der Softwareentwicklung getan hat.

Facebook ist keineswegs der erste Marktteilnehmer, der technische Details zu seiner Serverarchitektur veröffentlicht. Bereits 2009 lieferte Google einige interessante Details zum Aufbau seiner sagenumwobenen Server. Der Detailgrad der Informationen auf Open Compute ist allerdings bisher einzigartig. So finden sich dort detailierte Spezifikationen und CAD Zeichnungen sowohl von einzelnen Serverkomponenten wie Mainboards und Netzteilen, als auch von ganzen Rechenzentren.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass Google die Initiative begrüßt und schon bald kontern wird. Denn auch in Mountain View war man schon immer an einem offenen Austausch von Technologie zur gegenseitigen Verbesserung interessiert. Ein ewiges Geheimnis wird wohl nur Googles Ranking-Algorithmus bleiben.

April 05 2011

April 04 2011

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